Panoramaweg mit Krönten | © DAV Sektion Altdorf - Volker Güther

Zu Besuch bei Freunden

16.08.2026

Am 11. Juni 2025 unterzeichneten der Bürgermeister der Stadt Altdorf b. Nürnberg und der Präsident der Gemeinde Altdorf Uri in einem feierlichen Rahmen die offizielle Städtepartnerschaft zwischen den beiden Altdorfs. Grund genug für die beiden ortsansässigen Alpenvereine, dem SAC Gotthard und der DAV Sektion Altdorf, einmal auszuloten, ob freundschaftliche Kontakte zwischen beiden Vereinen und insbesondere zwischen aktiven Mitgliedern die hinter einer Partnerschaft stehenden Ambitionen mit Leben erfüllen können.

Die Kontaktaufnahme zwischen dem Vorsitzenden Volker Güther und dem Präsidenten Jürgen Strauß per Email und Teams-Meeting war zumindest sehr vielversprechend. Das Motto von beiden Seiten: Alles kann – nichts muss. Schließlich haben die Mitglieder beider fast gleich großen Vereine nahezu identische Freizeitinteressen. Da sollte doch etwas zu machen sein. Am Sonntag, 16. August, setzten sich dann zwei Vorstandsmitglieder (Monika Kürschner und Volker Güther) sowie die langjährige Leiterin der Skiabteilung und jetzige Leiterin der Gruppe Radfahren 60+, Ingrid Hentschel, ins Auto und fuhren Richtung Altdorf Uri. Gemeinsam mit dem Präsidenten Jürgen Strauß und dem Hüttenchef Adrian Dittli begannen wir vom Parkplatz am Ende des Erstfelder Tals den Aufstieg auf die Kröntenhütte. Die dafür erforderliche Fahrgenehmigung wurde von den Schweizer Freunden organisiert.

Bei bestem Wetter mussten unsere beiden Begleiter ungewohnt kürzertreten und sich unserem gemächlichen Aufstiegstempo anpassen. Die atemberaubend herrliche Umgebung und intensive Gespräche sowohl über die Vereinsarbeit als auch über persönliche Dinge ließen die knapp drei Stunden wie im Flug vergehen. 

Auf der Hütte war bereits alles perfekt vorbereitet. Wir erfrischten uns mit einem Getränk unserer Wahl – das ging auf Kosten des Hauses – und bezogen unser geräumiges Lager. Beim Abendessen weitere Gespräche und die Planung für den nächsten Tag, der wettertechnisch problematisch prognostiziert war. Wir beschlossen, die Hochtour auf den Krönten bis zum Gletscherrand in Angriff zu nehmen. 

Am Morgen war es entgegen der Prognose noch trocken, und das sollte bis zum Erreichen des Gletscherrandes auch so bleiben. Grandiose Landschaft, herrliche Blicke, markierter Pfad und ab und zu leichte Kraxelei. Etwa 700 Hm wurden so bewältigt. Pünktlich zum Rückweg setzte Regen ein.

Einige der beim Aufstieg noch trockenen, vom früheren Gletscher glattgeschliffenen Felsplatten wurden nass und etwas glitschig. Aber auch daran hatte Jürgen gedacht. Mit einem 30 m Seil und einigen darin geknüpften Handschlingen wurden zwei anspruchsvolle Passagen problemlos gemeistert. 

Für den nächsten Tag war trockenes Wetter angekündigt. Entsprechend des Vorschlages von Jürgen war der Gipfel des Jakobiger unser Ziel. Der markierte Weg, angesiedelt zwischen Bergwanderung und Hochtour, erforderte neben Trittsicherheit und Schwindelfreiheit auch ein Mindestmaß an Kondition. Kurz unterhalb des Jakobigers in Kammnähe ein besonderes Juwel: Der Leid See. Atemberaubend schön. Zurück auf gleichem Weg.

Gegen 16:30 Uhr waren wir alle wieder auf der Hütte. Zeit genug, um sich vor dem Abendessen einmal die in Hüttennähe befindlichen Einstiege der insgesamt 11 Mehrseillängentouren am vorderen und hinteren Päuggenstöckli anzusehen.

Die Zustiege von der Hütte dauern knapp eine halbe Stunde. Mit einer Ausbildungsroute im Schwierigkeitsbereich 4a (4 SL) über sechs Genussrouten im Bereich 4c bis 5b (6-9 SL) ist bis zu vier anspruchsvollen Routen (3x6a+, 6c) bleiben hier keine Wünsche offen. Alle Routen sind vorbildlich eingerichtet, so dass auf mobile Sicherungsmittel getrost verzichtet werden kann. Damit aber nicht genug. Die insgesamt 4 Klettergärten mit 47 eingerichteten Routen in unmittelbarer Hüttennähe (Zustiege dauern weniger als 15 min) versprechen Kurzweil für Zwischendurch-Zeiten. Zum Badesee, etwa 30 min unterhalb der Hütte am Aufstiegsweg gelegen, dauert es etwas länger, wenn man den anschließenden Wiederaufstieg von 40 min mit einkalkuliert. Aber der See ist warm, da der kalte Gletscherbach am See vorbeifließt. Unmittelbar am See beginnt auch ein anspruchsvoller Klettersteig, den wir allerdings mangels Zeit (noch) nicht in Augenschein nehmen konnten.

 

Für den Abstieg am letzten Tag hatte sich Jürgen noch ein besonderes Schmankerl ausgesucht: Den Panorama-Höhenweg, der nur bei gutem Wetter begangen werden sollte. Und genau das war der Fall. Ein toller Weg, garniert mit einigen absturzgefährdeten, aber versicherten Wegstellen mit weiten Blicken auf die Urner Bergwelt ließen die Herzen höherschlagen. 

Blick zurück auf den Panoramaweg mit dem Gipfel des Krönten links oben

Die spontane Bewirtung auf der am Ende des Weges gelegenen Hochalm mit lokalen Köstlichkeiten tat ein Übriges. Erfüllt von purer Bergglückseeligkeit traten wir schweren Herzens die Heimfahrt an.

Wie geht es nun weiter zwischen den beiden Vereinen? Unsere bereits sehr hochgesteckten Erwartungen wurden übertroffen. Nicht Freundlichkeit, sondern Herzlichkeit. Wir haben uns kennengelernt und spontan Freundschaft geschlossen. Entgegen der Absprache im Vorfeld hat der SAC Gotthard sämtliche Kosten für unsere Übernachtungen und Halbpensionen übernommen. Ein deutliches Zeichen dafür, dass es nicht nur uns, sondern auch unseren neuen Freunden vom SAC Gotthard Spaß gemacht hat, einige erlebnisreiche Tage gemeinsam verbringen zu dürfen. Und die gemeinsame Zeit wurde genutzt, um Pläne für das nächste Jahr zu schmieden. Die Einsteigerskitour 2027 findet vom 22. bis 25. Januar im Kanton Uri statt. Vom Talquartier Hotel Krone in Attinghausen aus werden uns erfahrene Tourenleiter des SAC die besten Pulverschneereviere im Schächental, am Sustenpass oder auf der anderen Seite des Gotthards zeigen und auch einen Skitourenkurs anbieten. Wir sind gespannt. Im Sommer werden wir eine Gemeinschaftsfahrt auf die Kröntenhütte zum Gehen von Mehrseillängentouren und Hochtouren ausschreiben. Auch da werden wir mit hoher Wahrscheinlichkeit ortskundige Begleitung genießen dürfen.

Unser ausgesprochen herzlicher Dank für die tolle Aufnahme und unvergessliche Tage gilt unseren Freunden vom SAC Gotthard. Eine außerordentlich gute Basis für freundschaftliche Beziehungen zwischen unseren beiden Vereinen ist gelegt. Es liegt an uns allen, etwas unser beider Vereinsleben Bereicherndes daraus zu machen.

Volker Güther