Hochtour Ortlergruppe | © DAV Sektion Altdorf - Michaela Vollhardt

Hochtourentage in der Ortlergruppe

Unterwegs rund um die Branca-Hütte

17.03.2026

Vom 12. bis 16. März trafen sich neun bergbegeisterte Alpinisten auf der Branca-Hütte (2.493 m) in der Ortlergruppe zu einigen intensiven Tagen zwischen Gletschern, Gipfeln und italienischer Hüttenküche.

Die Anreise war dabei fast schon eine kleine Expedition für sich: Ein Teil der Gruppe hatte sich bereits im Gebiet rund um Sulden gesammelt und dort akklimatisiert, während die anderen direkt aus Altdorf anreisten – mit entsprechend vielen Kilometern auf der Autobahn und steigender Vorfreude auf Schnee statt Asphalt.

Die Branca-Hütte liegt spektakulär mitten in der hochalpinen Landschaft der Ortlergruppe. Umgeben von mächtigen Gipfeln und weiten Gletschern fühlt man sich dort oben schnell wie in einem riesigen weißen Amphitheater. Und spätestens beim ersten Blick aus dem Hüttenfenster wird klar: Hier gibt es keine Ausreden – hier wird berggestiegen.

Zum Glück sorgt die hervorragende italienische Küche dafür, dass auch genügend Energie für die Touren vorhanden ist. Pasta, Suppe, Dessert – alpinistische Höchstleistungen beginnen bekanntlich oft mit einem sehr guten Abendessen.

Tag 1 – Ein Gipfel und viel Seilarbeit

Der erste Tourentag führte über den Gletscher zum Punta San Matteo (3.678 m). Bei strahlendem Wetter wurde nicht nur der Gipfel erreicht, sondern auch gleich die komplette Hochtourenausrüstung einem Praxistest unterzogen. Seilgehen auf dem Gletscher, Abstand halten, Kommunikation und enge Spitzkehren im steileren Gelände – alles funktionierte erstaunlich gut.

Besonders eindrucksvoll wurde dabei einmal mehr bewusst, warum man auf Gletschern nicht ohne Seil unterwegs ist: Die Gefahr, in eine Spalte zu rutschen, sollte man auch bei bestem Wetter niemals unterschätzen.

 

Am Ende standen jedoch alle zufrieden auf 3.678 Metern – ein perfekter Auftakt.

Tag 2 – Wenn das Wetter bergsteigerisch wird

Der zweite Tag zeigte sich deutlich rauer. Nebel, starker Wind und eingeschränkte Sicht machten aus der geplanten Tour zum Palon de la Mare (3.703 m) eine echte Hochgebirgstour. Doch erfahrene Alpinisten lassen sich davon bekanntlich selten abschrecken.

Die letzten Meter zum Gipfel führten über den Grat mit Steigeisen. Der Wind pfiff ordentlich um die Ohren, aber die Motivation blieb stabil – vermutlich auch, weil auf der Hütte ein gutes Abendessen wartete.

Und so standen am Ende tatsächlich alle auf 3.703 Metern. Sicht gab es zwar nicht viel, aber das Gefühl zählt ja bekanntlich mehr.

Tag 3 – Zwei Touren trotz schwieriger Bedingungen

Am dritten Tag brachte der Wetterbericht starken Wind und eine erhöhte Lawinengefahr. Statt sich davon beeindrucken zu lassen – oder gar unnötige Risiken einzugehen – entschied sich die Gruppe für eine sichere Tourenvariante außerhalb der steilen Hänge.

So wurde zunächst die Cima Branca (3.098 m) bestiegen. Anschließend gab es noch eine spontane Schneekunde-Einheit von unserem erfahrensten Teilnehmer. In diesem Winter ist die Schneedecke vielerorts stark vom Altschneeproblem geprägt – eine tückische Situation, die immer wieder zu Lawinenabgängen führt. Gerade deshalb sind gute Geländeentscheidungen im Hochgebirge entscheidend.

Am Nachmittag folgte noch eine zweite Bewegungstour Richtung Monte Pasquale, um die Beine locker zu halten – was, wie sich zeigte, hervorragend funktionierte.

Tag 4 – Kaiserwetter zum Abschluss

Der letzte Tag zeigte sich noch einmal von seiner schönsten Seite: Sonne, klare Sicht und eine beeindruckende Hochgebirgskulisse. Perfekte Bedingungen für eine Abschlusstour durch die weite Gletscherlandschaft der Ortlergruppe.

Noch einmal Felle aufziehen, noch einmal gemeinsam aufsteigen, noch einmal diese besondere Ruhe der winterlichen Hochalpen genießen.

Der Abschied von der Branca-Hütte und den Bergen fiel der Gruppe entsprechend schwer. Aber wie so oft bleiben vor allem die gemeinsamen Erlebnisse: spannende Touren, gute Entscheidungen, viel Gelächter auf der Hütte – und die Erkenntnis, dass neun Alpinisten, eine gute Küche und ein paar Gipfel eine ziemlich gelungene Kombination sein können