Abfahrtsstart am Lahnerkopf | © DAV Sektion Altdorf - Jan Kürschner
Schrecksee mit Kirchdachsattel | © DAV Sektion Altdorf - Jan Kürschner

Allgäu-Durchquerung

eine Haute-Route der Allgäuer Alpen.

30.01.2026

Für die Skitouren-FreundInnen des DAV Altdorf stand zum dritten Mal der Versuch einer Überschreitung der Allgäuer Alpen von Oberstdorf nach Pfronten im Programm - eine Haute Route der Allgäuer Alpen.
Dabei gilt es in einem gemischten Team eine 50km lange Route zu finden – abhängig von den Wetter-, Schnee- und Lawinenbedingungen in der einsamen und steilen Allgäuer Topologie.

Auch diesmal waren die Prognosen ernüchternd, aber auch so wechselhaft, so dass sich alle zu einem erneuten Versuch entschlossen.

Der Direktzug Nürnberg-Oberstdorf war pünktlich und brachte alle zur Nebelhornbahn samt weißem Abfahrtsband durch sonst weitgehend schneefreie Süd- und Osthänge. Bis zum Gipfelbereich verhinderten Felsen eine Skibefahrung – da kam auch bei Sonnenschein keine Stimmung auf.

 

Erstaunen dann auf der langen Querung entlang der Nebelhornkette Richtung Schwarzenberghütte. Die windabgewandten Westseiten hatten satt Pulverschnee im Angebot, der kaum verspurt tolle Schwünge ermöglichte.

So wurde auch noch die am Weg liegende Spitze der Daumengruppe erstiegen und kurz vor Eintreffen einer Wetterfront die Hütte erreicht. Ohne Wind fielen abends weitere 5cm Pulverschnee, so dass sich anstelle von Lawinengefahr winterliche Landschaften und Tourenmöglichkeiten ergaben.

Die Gruppe entschied sich für die Route über den 1000 Hm Steilhang über den „Schienen“ zur Lahnerscharte – in noch unverspurtem Gelände. Oben angekommen dann die Suche nach einer geeigneten Stelle entlang der Abbruchkante zum Schrecksee. Über einen kleinen Wechtensprung gelang dann die Abfahrt über wieder perfekte Tiefschneehänge

Mangels GPS-Tracks mussten auch die nächsten zwei Übergänge in alpinem Gelände entschieden und bewältigt werden, bis endlich in einer Senke die im Winter unbewirtschaftete Landsberger Hütte auftauchte.

Zuvor wurden am Joch noch die letzten Sonnenstrahlen des Tages genossen und dann abgeschwungen.

Der Winterraum war ohne Schlüssel zugänglich, beheizt, aber bereits von zahlreichen Gästen belegt, so dass das mitgebrachte Abendessen nur mit heißem Wasser bereitet und ohne Tisch eingenommen werden musste.

Da weitere Skitouristen ankamen wurden die vorhandenen Matratzenlager eng belegt.

Ohne Frühstück ging es bei Sonnenaufgang den Hüttenhang im Pulver hinab und über apere Osthänge hinauf zur Schochenspitze. W

eiter mit nur wenigen kniffligen Engstellen durch einsame Winterlandschaften, bis dann an der Sulzspitze Massen an Wintersportlern aus dem Tannheimer Tal die Ziehwege entlang zogen. Kein Wunder, denn die andere südgerichtete Seite des Tals war nahezu schneefrei.

Die Nordabfahrt gelang jedoch bis ins Tal auf Schnee, dann auf Langlaufpisten bis zum Cafe, wo fünf Bleche mit Omas frischgebackenen Köstlichkeiten die Sinne überforderten.

Anschließend ging es auf schneebedeckten Ziehwegen auf das Füssener Jöchle und einen weiteren Übergang in verdeckte Pulverschneehänge. Kurz vor Dunkelheit tauchte dann die Bad Kissinger Hütte unterhalb des Aggensteins auf, die allerdings nur tragenderweise erreicht werden konnte.

Zuvor wurde noch die Schlüsselstelle für den nächsten Tag, der „böse Tritt“ im Halbdunkel bewertet.

Der Winterraum der Hütte war offen, hell und unbewohnt und es konnte mit Strom geheizt, Schnee geschmolzen und gekocht werden.

Nach geruhsamer Nacht, aber mit kreisenden Gedanken an die Schlüsselstelle mit Eispickel und Steigeisen folgte wieder ein Traumtag: ein Sonnenstrahl zeigte neben Herzhausen auf einen pulvrigen Steilhang unter den Felstürmen des Aggensteins.

Die Entscheidung war einstimmig und ergab eine weitere perfekte Pulverabfahrt mit Gegenanstieg zur Sonnenterasse der Ostlerhütte.

Ausgiebig gestärkt ging es unschwierig über Pulverhänge, Ziehwege und Wiesen direkt bis zum Bahnhof Pfronten-Steinach mit stündlichen Heimreisemöglichkeiten.

Nach diesen intensiven Erfahrungen freuten sich alle auf die nächsten eher geruhsameren DAV-Skitouren.

 

Text: Jan Kürschner