Hochtour für Einsteiger 2019

Verborgener-Berg-Ferner - Wilde Turm-Scharte - Turmferner - ApererTurm

Donnerstag 22.08.2019, vier Bergsteiger (Heike, Holger, Christian und ich) aus Altdorf machen sich auf den Weg in die Stubaier Alpen um Höhenluft und Gletschereis zu kosten.
Nach gemütlicher Anfahrt ging es zunächst vom Parkplatz der Oberissalm 600 Hm hinauf zur Franz Senn Hütte (2147m) in ein kuscheliges 6er Lager ganz für uns allein.

Am nächsten Tag galt es nach einem reichhaltigen Frühstück mit viel Kaffee die erste Bekanntschaft mit Gletschereis zu machen. Dazu mussten erst die knapp 700 Hm, vorbei an der Vorderen und Mittleren Sommerwand zu den jämmerlichen Resten des Knotenspitzferners überwunden werden. Dort angekommen wurden die ersten vorsichtigen Gehversuche mit Steigeisen auf dem ungewohnten Untergrund gemacht und schnell Gefallen daran gefunden. Es wurden verschiedene Gehtechniken geübt und dann in wechselnder Steilheit gegangen, gelaufen, und gehüpft. Eisschrauben wurden gesetzt, dann zum Standplatz im Eis ausgebaut und das Ganze mittels Bandschlinge auf Festigkeit geprüft. Auch eine demonstrierte Eissanduhr (was des wohl is?) konnte trotz skeptischer Blicke auch mit aller Gewalt nicht herausgerissen werden. Das Gehen als Gletscherseilschaft klappte dann auf Anhieb so gut, dass langes Üben überflüssig war.
Am Nachmittag machten wir uns auf den Rückweg zur Hütte und Christian und Holger ließen sich den Abstecher auf den Gipfel der Vorderen Sommerwand, der fast am Weg lag nicht nehmen. Am Abend ging es rechtzeitig ins Bettchen, um für die morgige Hochtour gut ausgeschlafen zu sein.

Und dann ging es los. Um 7.30 Uhr morgens marschierten wir bei herrlichen Sonnenschein am Alpeiner Bach entlang, vorbei am Höllenrachen und der Gletscherzunge des Alpeiner Ferners in Richtung Aperer Turm. Bei etwa 2700Hm verließen wir den Wanderweg und gingen unmarkiert  und über Blockwerk zum Verborgener-Berg-Ferner. Nomen ist Omen, denn den sieht man erst wenn man schon fast draufsteht. Ausgestattet mit Steigeisen, Stöcken oder Pickel ging es nun in einer Seilschaft hinauf zur bedrohlich aussehenden Wilden Turmscharte (3126m), dem höchsten Punkt unserer Tour. Am Fuß der Scharte angekommen wurden Steigeisen und Pickel verstaut, denn die Turmscharte musste mittels vorhandenem Fixseil überklettert (IIer Stellen) werden. Oben angekommen, eröffnete sich uns ein atemberaubender Blick auf die Gletscherlandschaft zu unseren Füßen. Nach einem Rundblick und einer kurzen Brotzeit hieß es wieder „anschnallen“, denn der vor uns liegende Turmferner musste wieder als Gletscherseilschaft überwunden werden.
Am Blockgrat zum Aperen Turm angekommen wurden Steigeisen, Pickel und Seil erneut verstaut. Nun war noch einmal die volle Aufmerksamkeit gefragt. Über den langen, teilweise recht ausgesetzten Blockgrat, der ohne Geländerseil bewältigt wurde, erreichten wir schließlich das Gipfelkreuz des Aperen Turms (2984m). Gipfelfoto, Gipfelbussi, was essen und trinken und dann über den Normalweg Richtung Hütte zurück. Die letzte Stunde auf dem Normalweg hat uns dann noch ein Gewitterausläufer erwischt, is net schön, is aber so. Nass, müde aber zufrieden erreichten wir wieder die Hütte.

Am nächsten Morgen hieß es dann bei herrlichem Wetter wieder absteigen und nach einem zweiten Frühstück in Oberiss haben wir uns wieder auf den Heimweg gemacht und sind wohlbehalten am späten Nachmittag im guten alten Altdorf angekommen.

Superschöne Kombitour, lauter nette Leute dabei, keine großen Blessuren, so macht Bergsteigen richtig Spaß.

Herbert Herrmann