Klettern im Buntsandstein

Klettern im Buntsandstein

Neues und Altes aus der Südpfalz

Am Samstag den 6.10.2018 trafen sich Reinhard Born als Guide mit Christian Wirth und Klaus Kiderlin zur Fahrt nach Erlenbach in Langwasser Süd. Die Autofahrt gestaltete sich erfreulich unspektakulär, so dass wir nach Quartierbezug schon gegen Mittag zum Einklettern losziehen konnten.
Der Vorteil  im Herbst besteht in der Pfalz darin, dass es so gut wie keine Felssperrungen wegen Vogelbrut gibt und dass die Maronen reif sind. Dies war letztes Jahr im Mai leider nicht so. Diesmal also zur Rumbachtalplatte, auch Kastellfels genannt. Dort konnten wir von links nach rechts eine Route nach der anderen klettern. Eine Kindergruppe hatte schon den Einstieg traversiert und uns auch einige Topropeseile hängen lassen, so dass wir es entspannt angehen konnten. Die ersten Gehversuche auf Reibung gestalteten sich wie immer gewöhnungsbedürftig aber es ging von Route zu Route besser. Zur Absicherung im Vorstieg erwiesen sich diesmal die Tricams als geniale Favoriten. So konnten wir nach 6 Std. Kletterei den Fels als abgehakt betrachten. Die letzten Sonnenstrahlen genossen wir dann noch auf dem Gipfel des Eilöchelfelsen über den Normalweg. Die Schwierigkeiten lagen an diesem Tag mit 4 - 5+ im Genussbereich. Das sollte überwiegend auch so bleiben. Der Abend wurde dann standesgemäß mit Einkehr und Pfälzer Saumagen beschlossen. Christian hatte mit dem Saumagen noch etwas Bedenken und hielt sich für’s Erste an
Gewohntes. Dies sollte sich aber noch ändern. Pfälzer Saumagen ist wirklich lecker. In diesem einen Punkt kann man unserem Altkanzler Kohl in der Tat bedenkenlos verstehen.

Für Sonntag wurde, da noch Wochenende war und super Herbstwetter, beschlossen, einen weniger frequentierten Felsen aufzusuchen. Die Dürrensteine mit dem Landauer Weg als Überschreitung der Gipfel Maria und Friedrich im Grad 4 erwiesen sich als Glücksgriff. Der Kletterführer Pfalz spricht von einer großen Bergfahrt und das war es auch. Allein in wunderschöner Herbstlandschaft konnten wir das Klettern und die Gipfelschau geniessen.
Anschließend wanderten wir zu einem weiteren Klassiker, dem Napoleon. Den überhängenden Risseinstieg und Gipfelausstieg gab es für 4+ aber nicht geschenkt. Da hätte man als Frankenkletterer schon eher mal einen 5er ausgeworfen.
Nach diesem Highlight steuerten wir noch den Strackfelsen an. Der Krabblerweg 6+ und der Sattelriss 5 mussten es noch sein. Nomen est Omen für den Krabblerweg
. O-Ton Führer „ 7 Expressen an den Gurt und die Abendsonne genießen“. 7 Ringe sind für die Pfalz schon die Ausnahme, aber dennoch war für den ersten Ring der Klippstick nervenschonend.
Nach einem ausgefüllten Klettertag war diesmal die Vesper auf der Burg Berwartstein geplant. Wir kamen noch rechtzeitig, um diesmal den Saumagen mit Kastanien anzutesten und selbstgebackenen Apfelkuchen. Die Burg selbst ist auch immer einen Besuch wert. Erlebnisgastronomie pur, Eingeweihte wissen Bescheid. Der Abend wurde dann mit der Planung für den nächsten Tag im Quartier beschlossen.

Am Montag brachen wir dann zum Asselstein auf. Dieser ist neben dem Trifels ein sehr imposantes Massiv der Südpfalz. Der Normalweg mit 4- ist ein absolutes Highlight der Pfalzklassiker und hat nicht umsonst drei Sterne in der Bewertung. Genuss pur, Quergänge, Überhänge, Wand und Verschneidung, alles dabei.
Nach Gipfelgenuss und luftiger Abseilfahrt wechselten wir den Felsen und steuerten den Buhlsteinpfeiler nebst Buhlsteinen an. Die Novemberkante am Pfeiler ist mit 4+ eine absolute Traumtour
, welche zum Schluss noch mit einem höchst ausgesetzten Schmankerl um die Kante aufwartet. Klassisch schön. Auf dem Rückweg stiegen wir noch an den Buhlsteinen in den mittleren Riss ein und genossen ausgiebig die Herbststimmung am Gipfel. Der Abend wurde diesmal nicht mit Saumagen beendet sondern mit einem Schnitzel in Evas Empfehlung „Salztrippler“ in Rumbach. Wirklich ein guter Tipp. Danke!

Nachdem das sonnige Herbstwetter nicht nachgelassen hatte und uns kein Regen zum Pausieren zwang, machten  wir uns am Dienstag zur letzten Kletterrunde auf den Weg zur Kumbtverschneidung und als absolutes Highlight, der Emil-Gessner-Gedächtnisweg an der Rappenwand. War schon die Kumbtverschneidung mit drei Sternen und 4- ein Genusstraum an Kletterei, wurde dies an der Rappenwand nochmal getoppt. Auch was die mentale Stärke des Vorsteigers anging. O-Ton Kletterführer „Den Gurt voll hängen und genießen: eine großartige Tour“. Der Klippstick war hier fehl am Platz, bis zum ersten Ring in 20m Höhe war schon sichere Klemmtechnik in allen Breiten, von Körper, Faust bis Hand gefragt. Der sichere Umgang mit Friend und Co. beruhigte schon mal die Nerven und nach 10m Klemmerei stellte sich dann auch der versprochene Genuss ein. „Geht doch, klemmt wie Sau“. Die zweite Seillänge war dann reinste Kletterfreude und hätte noch ewig weitergehen können. Danach kletterten wir dann noch den herrlichen kleinen Bogen der Südostverschneidung mit 6-.
Da es der letzte Tag war und immer noch Zeit, wechselten wir zum letzten Mal den Fels und gingen noch den herrlich langen klassischen Südostwandriss mit 4+ und drei Sternen am Heegerturm. Klaus taufte den Fels zu Recht Clownsfels, da die Tour immer wieder lustige Überraschungen bot. Diesmal wurde der Abend wieder standesgemäß mit Saumagen im guten Landgasthof zur Krone beschlossen. Bis auf Klaus, der erwischte noch das
letzte Hirschgulasch. Auch beim Essen Genuss pur.

Den Tag der Heimreise am Mittwoch nutzten wir vormittags noch zu einem Besuch der Ruine Altdahn, wo wir noch auf alten Pfaden der Altvorderen wandeln konnten und schon bei frischem und etwas ungemütlichen Wind nicht ganz so traurig Abschied nahmen von der Pfalz.

Fazit: Die Südpfalz ist immer eine Reise wert. Die Klassiker bieten im Grad 4 - 5 viel mehr Erlebnis als Frankentouren. Ein Gipfelerlebnis mit herrlichem Blick über den Pfälzer Wald ist fast immer garantiert. Wir kommen wieder. Die Tickliste ist noch lange nicht abgearbeitet.

Vielen Dank an Klaus und Christian. Wir waren ein Dreamteam und flott als Dreier mit viel Spaß unterwegs.

So soll‘s sein!! Gerne wieder.             Reinhard Born

Der größte Dank aber gilt dennoch Reinhard, der nicht nur die Tour wieder organisiert hat, sondern auch die Fels- und Ortskenntnis sowie die nötige Kletter- und Sicherungstechnik mit bringt – von seiner schier unerschütterlichen Vorstiegsmoral mal ganz zu schweigen. Und vor allem dafür, dass er uns das Sandsteinklettern in der Pfalz überhaupt erst nahe gebracht hat und es beständig hoch hält.

Klaus Kiderlin