Bergwanderwoche in der Texel-Gruppe

Bergwanderwoche in der Texel-Gruppe

Seit nunmehr 36 Jahren ist die Bergwanderwoche ein fester Bestandteil im Programmangebot  der DAV Sektion Altdorf. Ursprünglich von moderaten Hochtourengehern ins Leben gerufen, bietet die Bergwanderwoche sportlich ambitionierten Bergwanderern eine geeignete Plattform für Bergerlebnisse aller Art.

In diesem Jahr war ein kleines Jubiläum angesagt. Zum zehnten Mal organisierten Hubert Seel und Peter Chunseck als Team die Unternehmung. Aus diesem Grund wurde die vom Meraner Höhenweg in Südtirol umrahmte Texel-Gruppe wie vor zehn Jahren erneut als Ziel ausgewählt. Insgesamt neun Männer und fünf Frauen, darunter fünf Bergwanderwochen-Neulinge, waren gespannt. Start war am Sonntag, 05.08.2018, an der Talstation der Texel-Bahn in Partschins. Die ersten 900 Höhenmeter auf den Giggelberg wurden schnell mit der Drahtseilbahn zurückgelegt. Danach begann der schweißtreibende Aufstieg zur Lodnerhütte, die den idealen Stützpunkt für die erste Gipfeltour am nächsten Tag auf den 3000 m hohen Gipfel des Tschigat bildete. Zum Glück wurden am Montag die heftigen Temperaturen des Sonntags nicht mehr erreicht, so dass der Aufstieg bei bestem T-Shirt Wetter begann. Die letzten 200 Höhenmeter auf den Tschigat entpuppten sich als leichte Kletterei (s. Foto), die insbesondere den weniger im Klettern geübten Teilnehmern alles abverlangten.

Begleitet von einer Gämsen-Großfamilie erreichten schließlich neun Teilnehmer den Gipfel. Das Wetterglück hielt exakt bis zum Ende des anspruchsvollen Gipfelabschnittes im Abstieg. Plötzlich setzte heftiger Regen ein. Alle waren froh, zu diesem Zeitpunkt wieder einen normalen Bergwanderpfad unter den Füßen zu haben. Mit der entsprechenden Ausrüstung war der Rückweg zur Hütte kein Problem, zumal der Regen nach einer halben Stunde wieder aufhörte.

Am dritten Tag dann das Umsetzen zum Hochganghaus über den anspruchsvollen Franz-Huber-Steig. Das ist Bergwandern der gehobenen Art, Schwindelfreiheit vorausgesetzt. Bei idealen Wetterverhältnissen gab es tolle Blicke auf die entfernten Berggipfel der Dolomiten, aber auch tief hinunter in das Etschtal. Der Pfad führt im stetigen auf und ab über zahlreiche mit Ketten gesicherte  Stellen.

Am vierten Tag trennte sich das Team. Sieben Teilnehmer nahmen sich die Gipfeltour zur Spronser Röthelspitze vor, die andere Gruppe, beeindruckt von der außerordentlichen Steilheit des Aufstiegs in die Hochgangscharte, ging auf dem Meraner Höhenweg zur Nasareit-Hütte und zurück. Der obere Teil des Weges zur Hochgangscharte ist in den Wanderkarten als Klettersteig eingezeichnet, allerdings ungerechtfertigt. Der Steig ist tatsächlich extrem steil und auch ausgesetzt, allerdings vorbildlich angelegt und ausgebaut. Alle Stellen mit potenzieller Absturzgefahr sich mit Ketten versichert, ohne dass diese für den Aufstieg an sich benutzt werden müssen. Bereits nach 2 Stunden waren die 600 Höhenmeter bis in die Hochgangscharte bewältigt. Auf der anderen Seite eröffneten sich tolle Blicke auf die Spronser Seen. Der Weiterweg zum Gipfel erforderte zwar Trittsicherheit und Schwindelfreiheit, war technisch allerdings nicht allzu schwer. Auch der Abstieg wurde rechtzeitig vor dem am Nachmittag einsetzenden kurzen Regenschauer absolviert, so dass sich alle auf der Sonnenterrasse des Hochganghauses von den Strapazen erholen konnten. Eine wunderschöne Tour, da waren sich alle einig.

Es folgte der nächste und auch letzte Hüttenwechsel zum Gasthof Talbauer, direkt am Meraner Höhenweg gelegen. Die Gehzeit mit lediglich 3 h und das sonnige Wetter machten uns die Entscheidung, die Tour mit einem Abstecher zum Mutkopf zu verlängern, sehr leicht. Nach einer kurzen Stärkung ließ der freie Blick zu 600 m höheren Mutspitze beim großen Teil der Teilnehmer Begehrlichkeiten aufkommen. Wie wäre es noch schnell mit einem Gipfel? Trotz der eindringlichen Warnungen des Hüttenwirtes vor unmittelbar bevorstehenden Regen machten sich neun Teilnehmer mit leichtem Gepäck auf die Gipfeltour. Der Gipfel wurde nach beeindruckend schnellen 1 ½ h erreicht, aber dann brach es los. Es schüttete wie aus Eimern. Auch die besten Gore-Tex Bergstiefel nützen nichts, wenn das Wasser von oben in die Schuhe hineinläuft. Völlig durchnässt, aber irgendwie auch glücklich und stolz über das Geleistete, kam die Gruppe gegen 17:00 Uhr beim Talbauer an. Und natürlich gab es viel zu erzählen. Auch die Energiespeicher mussten wieder aufgefüllt werden. Und das ist in Südtirol bekanntlich das geringste Problem.

Der Freitag begann mit leichtem Nieselregen und schlechten Wetterprognosen. Das bedeutet, in Etappen zu planen und Alternativen parat zu haben. Auf dem Meraner Höhenweg ging es zunächst für eine Stunde bis zum Longfallhof, unserem ersten Entscheidungspunkt. Alle waren dafür, die nächste Etappe bis zur Bockerhütte in Angriff zu nehmen, einem bei schwülwarmen Temperaturen sehr schweißtreibenden Aufstieg über mehr als 600 Höhenmeter. Nach einer kurzen Stärkung an der Hütte immer noch Wetterunsicherheit. Wieder die einmütige Entscheidung, nochmals 200 Höhenmeter in Angriff zu nehmen und über den Bocker-Steig zur bereits bekannten Hütte am Mutkopf zu gehen. Dann die Überraschung. Anstelle des angekündigten Regens hellte das Wetter auf. Die Regenfront blieb einige Kilometer Etschtal-aufwärts im unteren Vinschgau stehen. Eine nochmalige Rast am Mutkopf und der anschließende Abstieg zum Talbauerhof rundeten einen wunderschönen letzten Wandertag ab.

Was bleibt sonst noch zu erwähnen? Die perfekte Vorbereitung der Bergwanderwoche maßgeblich durch Hubert Seel und die professionelle Führung auf den Touren durch Peter Chunseck haben alle Teilnehmer mehr als begeistert. Ein herzliches Dankeschön von uns allen an unsere beiden Wanderleiter, die mit ihrem Einsatz vor und während der Tour auch einen großen Anteil an der tollen Atmosphäre im gesamten Team hatten. An die Unternehmungen und auch die gemütlichen Abende zusammen werden wir uns noch lange erinnern, soviel steht fest.

Volker Güther