Altdorfer Quartett auf Dolomiten-Dreigestirn  

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Wie riesige Edelkristalle einer Bergkrone ragen sie in den Südtiroler Himmel: Die Drei Zinnen.

Sie sind das Sinnbild der Dolomiten schlechthin, ein Mythos: Monumente aus Stein, eine bergsteigerische Herausforderung, bewundert und bestaunt.
Andererseits zeigte sich genau hier vor fast 100 Jahren die ganze Absurdität des Krieges in einem mörderischen, grausamen Stellungskampf vor traumhafter Kulisse. Die deutsch-italienischen Sprachgrenze war ein militärisch heiß umkämpftes Gebiet. In den letzten friedvolleren Jahrzehnten entwickelte sich die Bergregion zu einer Attraktion für Wander- und Kletterfreunde aus aller Welt. Sie bietet wahrlich ein Kalenderpanorama. Und auf einen dieser phantastischen Gipfel wollte eine Seilschaft der DAV Sektion Altdorf hinauf: Michael Betz, Herbert Hermann, Jens Kirchner und Wolfgang Christl.
Übernachtet wurde im Gästehaus „Innerkofler“ in Sexten. Innerkofler, das ist ein klangvoller Name einer Bergführerfamilie, die in der Region Geschichte geschrieben hat.

Morgens um 6 Uhr ging es dann los, vorbei am Misurina-See, über die Mautstraße am Lago d'Antorno aufwärts. Auf 2300 m Höhe, bereits zu Füßen der mächtigen Zinnenköpfe, liegt der Parkplatz der Auronzohütte.
Es begann eine furioser Tour. Die Sonne bahnte sich ihren Weg durch das Wolkenmeer. Die Dolomiten, so heißt es, brauchen die Sonne, sonst sind sie schal und glanzlos. Der Einstieg in die Wand liegt in der Schlucht zwischen der Kleinen und der Großen Zinne. Jetzt ging es im Klettergeschirr und am Seil bergan. Wie sich im Aufstieg an der sogenannten Pyramide zeigte, waren zeitgleich drei weitere Seilschaften in der Wand. In raschem Vorstieg gelang es aber, dass sich die 2 Altdorfer Seilschaften nach zwei Seillängen absetzen konnten. Die Steinschlaggefahr im brüchigen Fels ist hier enorm, da will man Abstand haben. Nach der nächsten Scharte und dem Erreichen des ersten Felsbandes befanden sich die Altdorfer Bergsteiger nun am Zinnenkörper. Über Felskessel und Steilrampen kraxelte man durch einen feuchten Kamin und kam auf eine griffige Wandstufe. In luftiger Höhe konnte man jetzt im Osten den Gipfel der Kleinen Zinne durch den Dunst schimmern sehen. Eine Zweier-Speedklettergruppe kam entgegen. Die waren wohl schon mit dem ersten Licht von der Lavaredohütte aufgebrochen. Man ließ sich aber von keinem Tempo anstecken und nahm ruhig und konzentriert das letzte Drittel in Angriff: Auf einem Terrassenband ging es fast horizontal nach Westen, bis man in die südliche Gipfelflanke einstieg. Über Rinnen, Kamine und abgewetztem Fels ereichte man das Gipfelkreuz mit der Gipfelmadonna.
Wir befanden uns auf der Großen Zinne auf 2999 m Höhe, mit der Nase auf über Dreitausend. Wenn auch keine tolle Sicht, so war es ein tolles Gefühl auf einer Zacke der Dolomitenkrone zu stehen.
Ein zu langes Rasten wollte man sich nicht erlauben, um Zeitreserve für den Rückweg zu haben. Das Wetter hielt. Konzentriert machte man sich an den Abstieg. Beim Abseilen handelte sich ein Teilnehmer beim Absetzen an eine Felsnase leider eine „lästige“ Steißbeinprellung ein. So schnell kann was passieren. Dennoch, mit den erfolgreichen Mühen und dem eroberten Gipfel im Rücken, ging es um ein vielfaches leichter bergab als bergauf. Auf der Heimfahrt gönnte man sich einen letzten Blick auf das Gewölk in der Ferne um vielleicht doch noch den Gipfelgrat des Zinnenstockes zu sehen. Er blieb verwehrt. Man hatte ihn nur zu „spüren“ bekommen.

Es war ein grandioses Gipfelerlebnis.

Wolfgang Christl