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Wilde Wasser, Regen und Schnee
Die Schladminger Tauern erstrecken sich südlich des
Dachstein-Massivs. Von den 300 Bergseen und fast 150 Wasserfällen der
Niederen Tauern findet man einen Großteil in den Tälern, Kesseln und
Karen der Schladminger Tauern. Unberührte Wildbäche mit tosenden
Wasserfällen machen den Reiz dieser Region aus. Hubert Seel und Peter
Chunsek, die zuständigen Wanderführer der Sektion Altdorf, planten und
führten die Bergwanderwoche.
Ausgangspunkt der Altdorfer Bergwandergruppe war der
Parkplatz Riesachfall (1079 Meter) im Untertal bei Schladming.
Die Anreise erfolgte klimaschonend in gut besetzten PKWs.
Wetterbedingt wurden die Rucksäcke gleich um die Regensachen
erleichtert. Ein imposanter und wildromantischer Aufstieg
begeisterte die 14 Teilnehmer. Dieser Alpinsteig „durch die
Höll“ führte über 500 Treppenstufen und zahlreiche Leitern
entlang des tosenden Riesachfalls. Nur die Mutigen hatten kein
mulmiges Bauchgefühl beim überqueren der Schlucht auf einer 50
Meter langen Seilbrücke. „Wilde Wasser“ steht auch im Logo
dieser Region. Am Ende der Schlucht erreichten die Wanderer die
Gfölleralm (1357 Meter). Aufgrund des schlechten Wetters war die
Alm geschlossen, so wurde nur der Rucksackvesper verzehrt. Am
Riesachsee entlang zur Kotalm ging es fast eben, ein leichter
Aufstieg von ca. 45 Minuten führte zur Preintaler Hütte (1657
Meter). Leere Hütten sind bei der vorhergesagten
Schlechtwetterlage der Normalfall, Hüttenwirte erhalten
massenweise Absagen. Umso dankbarer wurde die Altdorfer
DAV-Gruppe auf der Hütte empfangen. Es hatte inzwischen bis auf
1500 Meter geschneit.
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Alpinsteig Höll - Seilbrücke
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Preintalerhütte
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Die geplanten Touren für den nächsten Tag auf die
Hochwildstelle (2747 Meter) oder das Waldhorn (2702 Meter) waren
nicht möglich. Alternativ unternahm ein Großteil der
Bergwanderer einen Abstieg zum Riesachsee mit Mittagseinkehr in
der Kaltenbachalm. Anschließend Aufstieg zur Neualm und auf
einem schmalen Schneepfad zurück zur Hütte. Drei Unentwegte
wollten noch die Schneehöhe am Lämmerkar testen. Hüfthoher
Schnee, ca. 50 Meter unterhalb des Kars, zwang die kleine Truppe
zur Umkehr. |
Hüttenwechsel übers Tal
Am folgenden Tag war die im Tourenprogramm vorgesehene
Überschreitung „Äußeres Lämmerkar - Klafferscharte -
Klafferkessel - Greifenberg - Gollinghütte“ nicht machbar. Der
Hüttenwechsel musste demnach übers Tal erfolgen. So wanderten
alle auf dem bereits bekannten Abstieg zum Riesachsee. Hinunter
durch die „Höll“ reizte die Sportlichen, die Gemütlichen nahmen
den Fahrweg zum Parkplatz Riesachfall. Bei einer ausgiebigen
Mittagspause auf der Terrasse des Gasthofes Riesachfall konnte
gut geschlemmt und relaxed werden. Der weitere Weg führte
entlang des Steinriesenbaches, zuerst als gemächlicher Fahrweg,
später als steiler Steig zur Gollinghütte (1641 Meter). Und
wieder wurden die Bergwanderer von einem dankbaren Hüttenwirt
empfangen.
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Sieben Teilnehmer am Gipfel des Greifenbergs (2618 Meter) |
Gipfelglück
Die nächste Tagestour, von der Gollinghütte zum Hochgolling (2862
Meter), wurde aufgrund der Schneelage ebenfalls gestrichen. Die Gruppe
machte sich jedoch auf zu einer Tour Richtung Greifenberg. Von der
Gollinghütte in Richtung Osten, führt auf der gegenüberliegenden
Talseite ein schmaler Pfad steil hinauf zum Greifenbergsattel. Blauer
Himmel, Sonnenschein und eine üppig und artenreich blühende
Bergpflanzenwelt erfreute die Gruppe. Allerdings war im rutschigen
Schnee Vorsicht geboten, die Schneegrenze lag bei ca. 2100 Metern. Vom
Greifenbergsattel aus, waren am Gipfel des Greifenberges (2618 Meter)
einige Personen zu erkennen. Das ermunterte die Gruppe, es auch zu
probieren. Über die teils schneefreie Westseite des Greifenberges kamen
die Wanderer gut voran. Erst 100 Meter unterhalb des Gipfels musste
durch Knöchel hohen Schnee steil hochgeklettert werden. Als Belohnung
hatten die Gipfelstürmer einen schönen Rundblick nach allen Seiten und
in die unzähligen Seen des Klafferkessels. Nach kurzem Gipfelglück wurde
der Abstieg begonnen, denn es zeigten sich bereits wieder dunkle Wolken.
Am frühen Nachmittag erreichten die Altdorfer die Gollinger Hütte und
konnten auf der Terrasse die erlebten Eindrücke Revue passieren zu
lassen. Die Wolken verzogen sich und ein gemeinsamer Spaziergang zum
„schönsten Talabschluss mit dem größten Natur-Amphitheater der Welt“
rundete diesen Tag ab. Freilaufende Pferde und Fohlen gehörten ebenso zu
diesem Idyll wie die Ruhe und die wärmende Sonne.
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Steirische Kost am Ende der Wanderwoche
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Abbruch der Wanderwoche
Die letzte Etappe der Bergwanderwoche 2011 sollte der Übergang
von der Gollinghütte über die Golligscharte (2326 Meter) zur
Landawierhütte und von dort über die Trockenbrotscharte zur
Keinprechthütte (1872 Meter) bilden. Von der Keinprechthütte aus
stand dann noch die Rotmandlspitze (2453 Meter) oder die
Vetternspitze (2524 Meter) auf dem Programm. Eine erneute Regen-
und Gewitterfront war angekündigt, die Berggipfel verschwanden
bereits wieder im Nebel. So stimmten die 14 Bergwanderer
demokratisch ab, ob die Tour fortgesetzt oder abgebrochen werden
sollte. Die Mehrheit entschied sich für den Abbruch. Auf dem
bekannten Aufstiegsweg marschierten die DAV Bergwanderer zurück
zum Parkplatz Riesachsee. Nach dem zurückholen der Autos -
einige der Fahrzeuge standen im Obertal am geplanten Endpunkt
der Tour - traf sich die Wandergruppe in Schladming. |
Bei sonnigem Talwetter wurde durch die Fußgängerzone geschlendert und
beim Kirchenwirt mundete die gute steirische Kost. Rechtzeitig
umzukehren erfordert oft dasselbe Maß an Mut und Entschlossenheit, wie
weiter zu streben. Im Zweifelsfall lieber zurück gehen, die Berge laufen
nicht weg. Eine verkürzte Bergwanderwoche, gespickt mit intensiven
Naturerlebnissen und bereichert mit nachhaltigen Bergkameradschaften
ging zu Ende. Offen blieb nur die eine Frage: Hatte sich das Wetter die
falsche Jahreszeit ausgesucht?
Monika Kürschner
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