Bergwanderwoche DAV Altdorf
Schladminger Tauern/Österreich - 24.07.-28.07.2011
 

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Wilde Wasser, Regen und Schnee

Die Schladminger Tauern erstrecken sich südlich des Dachstein-Massivs. Von den 300 Bergseen und fast 150 Wasserfällen der Niederen Tauern findet man einen Großteil in den Tälern, Kesseln und Karen der Schladminger Tauern. Unberührte Wildbäche mit tosenden Wasserfällen machen den Reiz dieser Region aus. Hubert Seel und Peter Chunsek, die zuständigen Wanderführer der Sektion Altdorf, planten und führten die Bergwanderwoche.

Ausgangspunkt der Altdorfer Bergwandergruppe war der Parkplatz Riesachfall (1079 Meter) im Untertal bei Schladming. Die Anreise erfolgte klimaschonend in gut besetzten PKWs. Wetterbedingt wurden die Rucksäcke gleich um die Regensachen erleichtert. Ein imposanter und wildromantischer Aufstieg begeisterte die 14 Teilnehmer. Dieser Alpinsteig „durch die Höll“ führte über 500 Treppenstufen und zahlreiche Leitern entlang des tosenden Riesachfalls. Nur die Mutigen hatten kein mulmiges Bauchgefühl beim überqueren der Schlucht auf einer 50 Meter langen Seilbrücke. „Wilde Wasser“ steht auch im Logo dieser Region. Am Ende der Schlucht erreichten die Wanderer die Gfölleralm (1357 Meter). Aufgrund des schlechten Wetters war die Alm geschlossen, so wurde nur der Rucksackvesper verzehrt. Am Riesachsee entlang zur Kotalm ging es fast eben, ein leichter Aufstieg von ca. 45 Minuten führte zur Preintaler Hütte (1657 Meter). Leere Hütten sind bei der vorhergesagten Schlechtwetterlage der Normalfall, Hüttenwirte erhalten massenweise Absagen. Umso dankbarer wurde die Altdorfer DAV-Gruppe auf der Hütte empfangen. Es hatte inzwischen bis auf 1500 Meter geschneit.
 


Alpinsteig Höll - Seilbrücke
 


Preintalerhütte

 

Die geplanten Touren für den nächsten Tag auf die Hochwildstelle (2747 Meter) oder das Waldhorn (2702 Meter) waren nicht möglich. Alternativ unternahm ein Großteil der Bergwanderer einen Abstieg zum Riesachsee mit Mittagseinkehr in der Kaltenbachalm. Anschließend Aufstieg zur Neualm und auf einem schmalen Schneepfad zurück zur Hütte. Drei Unentwegte wollten noch die Schneehöhe am Lämmerkar testen. Hüfthoher Schnee, ca. 50 Meter unterhalb des Kars, zwang die kleine Truppe zur Umkehr.
Hüttenwechsel übers Tal
Am folgenden Tag war die im Tourenprogramm vorgesehene Überschreitung „Äußeres Lämmerkar - Klafferscharte - Klafferkessel - Greifenberg - Gollinghütte“ nicht machbar. Der Hüttenwechsel musste demnach übers Tal erfolgen. So wanderten alle auf dem bereits bekannten Abstieg zum Riesachsee. Hinunter durch die „Höll“ reizte die Sportlichen, die Gemütlichen nahmen den Fahrweg zum Parkplatz Riesachfall. Bei einer ausgiebigen Mittagspause auf der Terrasse des Gasthofes Riesachfall konnte gut geschlemmt und relaxed werden. Der weitere Weg führte entlang des Steinriesenbaches, zuerst als gemächlicher Fahrweg, später als steiler Steig zur Gollinghütte (1641 Meter). Und wieder wurden die Bergwanderer von einem dankbaren Hüttenwirt empfangen.
 


 


Sieben Teilnehmer am Gipfel des Greifenbergs (2618 Meter)

Gipfelglück
Die nächste Tagestour, von der Gollinghütte zum Hochgolling (2862 Meter), wurde aufgrund der Schneelage ebenfalls gestrichen. Die Gruppe machte sich jedoch auf zu einer Tour Richtung Greifenberg. Von der Gollinghütte in Richtung Osten, führt auf der gegenüberliegenden Talseite ein schmaler Pfad steil hinauf zum Greifenbergsattel. Blauer Himmel, Sonnenschein und eine üppig und artenreich blühende Bergpflanzenwelt erfreute die Gruppe. Allerdings war im rutschigen Schnee Vorsicht geboten, die Schneegrenze lag bei ca. 2100 Metern. Vom Greifenbergsattel aus, waren am Gipfel des Greifenberges (2618 Meter) einige Personen zu erkennen. Das ermunterte die Gruppe, es auch zu probieren. Über die teils schneefreie Westseite des Greifenberges kamen die Wanderer gut voran. Erst 100 Meter unterhalb des Gipfels musste durch Knöchel hohen Schnee steil hochgeklettert werden. Als Belohnung hatten die Gipfelstürmer einen schönen Rundblick nach allen Seiten und in die unzähligen Seen des Klafferkessels. Nach kurzem Gipfelglück wurde der Abstieg begonnen, denn es zeigten sich bereits wieder dunkle Wolken. Am frühen Nachmittag erreichten die Altdorfer die Gollinger Hütte und konnten auf der Terrasse die erlebten Eindrücke Revue passieren zu lassen. Die Wolken verzogen sich und ein gemeinsamer Spaziergang zum „schönsten Talabschluss mit dem größten Natur-Amphitheater der Welt“ rundete diesen Tag ab. Freilaufende Pferde und Fohlen gehörten ebenso zu diesem Idyll wie die Ruhe und die wärmende Sonne.


Steirische Kost am Ende der Wanderwoche
 

Abbruch der Wanderwoche
Die letzte Etappe der Bergwanderwoche 2011 sollte der Übergang von der Gollinghütte über die Golligscharte (2326 Meter) zur Landawierhütte und von dort über die Trockenbrotscharte zur Keinprechthütte (1872 Meter) bilden. Von der Keinprechthütte aus stand dann noch die Rotmandlspitze (2453 Meter) oder die Vetternspitze (2524 Meter) auf dem Programm. Eine erneute Regen- und Gewitterfront war angekündigt, die Berggipfel verschwanden bereits wieder im Nebel. So stimmten die 14 Bergwanderer demokratisch ab, ob die Tour fortgesetzt oder abgebrochen werden sollte. Die Mehrheit entschied sich für den Abbruch. Auf dem bekannten Aufstiegsweg marschierten die DAV Bergwanderer zurück zum Parkplatz Riesachsee. Nach dem zurückholen der Autos - einige der Fahrzeuge standen im Obertal am geplanten Endpunkt der Tour - traf sich die Wandergruppe in Schladming.

Bei sonnigem Talwetter wurde durch die Fußgängerzone geschlendert und beim Kirchenwirt mundete die gute steirische Kost. Rechtzeitig umzukehren erfordert oft dasselbe Maß an Mut und Entschlossenheit, wie weiter zu streben. Im Zweifelsfall lieber zurück gehen, die Berge laufen nicht weg. Eine verkürzte Bergwanderwoche, gespickt mit intensiven Naturerlebnissen und bereichert mit nachhaltigen Bergkameradschaften ging zu Ende. Offen blieb nur die eine Frage: Hatte sich das Wetter die falsche Jahreszeit ausgesucht?

  Monika Kürschner